Scharf, schärfer, Scharfzeichnung! (Fortsetzung)
Schärfe und Bildauflösung
Wie Anfangs gezeigt ist Schärfe nichts anderes als die geometrische Ausdehnung des Übergangs zwischen einzelnen Bildteilen. Eine Übergangszone von 10 Bildpunkten (Pixel) wirkt unschärfer als eine Übergangszone von nur einem Bildpunkt. Die Bildpunkte allein sind als Maß für den Schärfeeindruck aber unzureichend, denn sie sind in Wirklichkeit gar kein geometrisches Maß. Um zu einem wirklichen Maß zu kommen müssen die tatsächlichen Ausdehnungen der Bildpunkte einbezogen werden, also die Bildauflösung.
Bei einem gängigen Monitor beträgt die Seitenlänge eines Pixels ca. 0,3 mm. Auf dem Bildschirm ist die tatsächliche Länge einer Übergangszone von 10 Pixeln also 3 mm. Ganz anders sieht es bei einem gedruckten Foto aus. Ein in guter Druckqualität gedrucktes Pixel hat eine Seitenlänge von nur 0,02 mm, ist also viel kleiner als ein Bildschirmpixel! Damit schrumpft die selbe Überganszone von 10 Pixeln auf eine tatsächliche Länge von nur noch 0,2 mm und damit erscheint das Foto viel schärfer!
Es wird leider noch komplizierter. Normalerweise wird ein Foto nicht in voller Größe ausgedruckt, sondern in einem bestimmten Bildformat, wie z.B. 10 x 15 cm. Dafür muss es skaliert, in der Regel also verkleinert werden. Und mit der Verkleinerung schrumpft nun ebenfalls die Übergangszone und das Bild wirkt schärfer.
Letztlich entscheidet somit die Auflösung des fertigen Bildes über die Bildschärfe. Um den selben Schärfeeindruck zu erzielen, muss ein Foto für die Bildschirmansicht weniger stark geschärft werden, als für den Druck, und ein Foto für einen Print von 10 x 15 cm wiederum weniger als für einen Print von 20 x 30 cm. Als Konsequenz muss demnach praktisch jedes Foto – egal ob mit perfekter Schärfe aufgenommen oder nicht – für den gewünschten Verwendungszweck geschärft werden, um ein optimales Darstellungsergebnis zu erzielen.
Praxis
Für die Scharfzeichnung von Fotos ergeben sich als Grundregeln:
- Jede Scharfzeichnung ist in Abhängigkeit von Größe und Auflösung des fertigen Bildes vorzunehmen. Die Bildschärfung steht damit am Ende der Bildbearbeitung.
- Für eine gelungene Schärfung ist eine Balance zu finden zwischen Verstärkung des Kantenkontrasts und Detailverlust. Überschärfung zeigt sich in deutlich sichtbaren Säumen und Treppchenbildung und vermindert stark den Qualitätseindruck. Wie stark eine Unscharfmaskierung wirkt hängt dabei aber leider auch von der Qualität des Monitors oder des Druckers ab. Moderne Flachbildschirme haben generell ein schärferes Bild als Röhrenmonitore und eine Überschärfung wird hier schneller sichtbar.
- Je kleiner die Auflösung desto kleiner auch der Radius der Unschärfemaskierung. Um die selbe Schärfung zu erzielen ist dieser Radius für die Bildschirmwiedergabe sehr viel kleiner als für den Druck.
- Stärke vor Radius. Breite Säume um Konturen wirken unnatürlich. Wählen sie den Radius der Unscharfmaskierung deshalb so klein wie möglich und erhöhen dafür die Stärke. Für den Photoshop-Filter „Selektive Scharfzeichnung“ sind gute Ausgangswerte für die Bildschirmwiedergabe ein Radius von 0,3 Pixeln und eine Stärke von 120%. Für den Druck müssen die Radiuswerte dagegen meist über 1 Pixel liegen.
7. November 2009 | Fotografie,Tutorial | 4.420 views
Tags: Auge, Bildbearbeitung, Fotografie, Neurologie, Sinn, Wahrnehmung
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