Zeitraffer mit der DSLR (Fortsetzung)
Gestalterische Überlegungen
Aufnahmezeit
Wie bei allen Zeitrafferaufnahmen ist zunächst zu überlegen, wie lange der gezeigte Vorgang in Echtzeit dauert. Zum Zeitpunkt des Frühlingsanfangs – definiert als Tag-und-Nacht-Gleiche – zieht die Sonne in genau 12 Stunden von Horizont zu Horizont. Für eine Darstellung des wandernden Schattens braucht es aber längst nicht den gesamten Tag. Nach einigen Beobachtungen entscheide ich mich für eine Aufnahmezeit von eineinhalb Stunden.

Zeit
Im März und April steht die Sonne noch relativ tief, so das die absolute Beschränkung auf die Morgen- oder Abendstunden entfällt. Wichtiger sind eine über den Aufnahmezeitraum von 1,5 Stunden möglichst konstante Helligkeit und die richtigen Witterungsbedingungen. Der Himmel sollte möglichst wolkenlos sein, denn deren Schatten würde die Aufnahme des Waldbodens empfindlich stören. Und es sollte möglichst windstill sein, denn selbst nur sacht im Wind schwankende Blüten werden im Zeitraffer zu hektisch zappelnden Farbflecken und stören die angestrebte Ruhe und Gleichmäßigkeit der Aufnahme.
Ich wähle deshalb die Vormittagsstunden eines sonnigen Tages, zu denen die Sonne schon ihre volle Helligkeit entfaltet hat, Wind und Wolkenbildung aber erst langsam einsetzen.

Ort
Für die geplante Aufnahme schwebt mir ein Blütenteppich vor, bei dem die Einzelblüten aber noch als solche zu erkennen sind. Ich benötige also eine Halbtotale und damit eine kleine Lichtung von etwa 5 x 5 Metern. Die umstehenden Bäume sollten nicht zu dicht stehen und möglichst dick sein, damit sie wenige, sich klar abzeichnende Schatten werfen. Der Waldboden sollte eben und horizontal sein. Und als optische Auflockerung und perspektivische Belebung wäre ein Baumstumpf oder ein Ast im Bild wünschenswert. Das alles muss dann auch noch so angeordnet sein, dass die Kamera zwischen Sonne und Waldboden aufgestellt werden kann, also nordöstlich vom Kamerastandpunkt.
Mit am wichtigsten sind nun zwei oder drei größere Bäume links hinter dem Kamerastandpunkt, deren Schatten dann von links nach rechts auf dem Waldboden durch das Bild wandern.
All diese Anforderungen machen es nicht gerade leicht einen geeigneten Ort zu finden. Ich entscheide mich für ein Waldstück westlich von Göttingen zwischen Groß-Ellershausen und Dransfeld.
Seitenverhältnis
Je nach Norm ist das Seitenverhältnis eines Videobildes 16:9, 4:3 oder gar 5:4. Die DSLR liefert aber ein Seitenverhältnis von 3:2. Für das heute wichtigste Seitenverhältnis von 16:9 fallen später Bildteile im oberen und/oder unteren Bildrand weg und es dürfen sich deshalb dort keine wichtigen Motivteile befinden.
Aufnahmeintervall
Die fertige Zeitraffersequenz soll 20 Sekunden lang sein. Um genügend Spielraum für den Schnitt zu haben brauche ich also 30 Sekunden Rohmaterial. Bei Intervallaufnahmen ergeben 25 Einzelbilder eine Sekunde Video nach PAL-Norm (eine DSLR liefert keine Halbbilder). 30 Sekunden multipliziert mit 25 Bildern pro Sekunde ergibt 750 Bilder.
1,5 Stunden Aufnahmezeit entsprechen 5400 Sekunden. Diese Zeit dividiert durch die benötigten 750 Aufnahmen ergibt das Aufnahmeintervall von 7,2 Sekunden.
7 Sekunden sind allerdings für Intervallaufnahmen von sich kontinuierlich bewegenden Schatten schon recht lang. Ich möchte nicht riskieren, dass die Schatten am Ende durch das Bild ruckeln, und entscheide mich daher für einen Intervall von 5 Sekunden und 1080 Aufnahmen.
17. November 2009 | Fotografie, Videoproduktion, Werkstattbuch | 357 views
Tags: DSLR, Fotografie, Wald, Zeitraffer
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