Zeitraffer mit der DSLR (Fortsetzung)

Aufnahmetechnik und Realisation

Die Kamera wird zur gewählten Zeit am gewählten Ort aufgebaut und der richtige Ausschnitt eingestellt. Da die Sonne, wie gewünscht, niedrig steht, darf die Kamera selbst maximal einen Meter über dem Boden sein, damit ihr eigener Schatten nicht im Bild sichtbar wird. Dabei ergibt sich nun eine weitere Voraussetzung für den passenden Aufnahmeort: Es ist nicht nur der Waldboden mit dem Blütenteppich im Bild, sondern auch ein Stück „Horizont“, also die Bäume am gegenüberliegenden Rand meiner kleinen Lichtung. Der Wald dahinter darf nun nicht etwa irgendwelche störenden Details zeigen, wie etwa einen Hochstand. Und schon gar nicht dürfen gar Menschen dort durch das Bild laufen!

Einige Probeaufnahmen liefern nun die richtigen Werte für Belichtung und Blende. ALLE Kameraeinstellungen für Belichtung, Blende, Weisabgleich, Brennweite und Focus müssen jetzt unbedingt manuell eingestellt werden! Ansonsten kann es passieren, dass durch sich kurzfristig ändernde Lichtbedingungen, wie Wolkenzug oder Anteil von Schatten im Bild, einzelne Bilder anders belichtet werden. In der späteren Zeitraffersequenz fallen abweichend belichtete Bilder aber als flackernde Frames heraus und zerstören den gesamten Clip!

Die von mir verwendete Nikon D200 verfügt über einen eingebauten Intervall-Timer, der aber etwas umständlich einzustellen ist. Ich habe zusätzlich einen kleinen externen Timer von Ownuser, der die Kamera über das Fernauslöserkabel steuert. Die D200 schafft die erforderlichen 1080 Aufnahmen nur dann mit einer Akkuladung, wenn ich den Kontrollmonitor ausschalte. Ein Akkuwechsel innerhalb der Aufnahmeserie wäre in dem gewählten Intervall zwar gerade so zu schaffen, birgt aber die selben Risiken wie schon eingangs für Camcorder beschrieben.

Als Bildqualität wähle ich RAW. Zwar wäre für die anschließende Weiterverarbeitung auch JPEG in mittlerer Qualität völlig ausreichend, ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass meine D200 trotz manuell eingestellter Belichtung keineswegs 100% identische Belichtung für alle Bilder der Serie liefert. Mit den RAW-Dateien habe ich später die Möglichkeit, die abweichend belichteten Bilder zu korrigieren, die ansonsten die Zeitraffersequenz zerstören würden.

Sind alle Vorbereitungen abgeschlossen, wird die Intervallserie gestartet. Die nächsten eineinhalb Stunden arbeitet die Kamera selbständig und ich nutze die Zeit entweder, um mich mit einer zweiten Kamera dem Frühlingswald zu widmen oder setze mich mit einem guten Buch gemütlich an einen nahen Baumstamm.

Bildverarbeitung

Ebenso wie bei der Aufnahme müssen auch bei der Entwicklung der RAW-Bilder für alle Dateien identische Einstellungen gewählt werden. Fallen einzelne Bilder durch abweichende Belichtung heraus, müssen sie korrigiert werden.

Die Bilder werden dann als JPEG gespeichert und in das Schnittprogramm importiert.

Timeline

Die gesamte Bildserie wird als Set von Einzelaufnahmen in der Reihenfolge ihrer Nummerierung auf die Timeline des Schnittprogramms gelegt. Je nach Renderzeit kann nun schon direkt das erste Ergebnis betrachtet werden.

Da die Einzelbilder erheblich größer sind, als das Videobild, kann dieser Unterschied für weitere Bildgestaltung genutzt werden: Ein- und Auszoomen, horizontale und vertikale Bewegungen. Unter Umständen können sogar Schwenks mit Hilfe von Bildverkrümmung und 3D-Editoren simuliert werden. Soll der gesamte Bildausschnitt zu sehen sein, müssen die Einzelbilder in jedem Fall entsprechend verkleinert werden.

Auch eine nachträgliche Veränderung der Zeitraffung ist in der Regel möglich, allerdings nur in Richtung weiterer Beschleunigung.

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Fazit

Mit der DSLR lassen sich Zeitrafferaufnahmen unkompliziert und sicher erstellen. Das größere Bildformat erlaubt in der Postproduktion weitere kreative Gestaltungsmöglichkeiten. Sollen Vorgänge im Zeitraffer dargestellt werden, die in Echtzeit mehre Stunden oder gar Tage dauern, sind Intervallaufnahmen ohnehin die einzige Möglichkeit.

 

17. November 2009 | Fotografie, Videoproduktion, Werkstattbuch | 354 views

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